Als wäre man dabei gewesen

Nassauische Neue Presse, 07.11.2011

Bad Camberg Erbach. Ob Sport an Bord, der Landgang, Kapitäns-Ansprache oder Seenotrettungsübung – wer am Wochenende die Erlenbachhalle verließ, der war dabei gewesen. Eine schönere Kreuzfahrt könnte man gar nicht selber machen. Da waren der kauzige "Zweitkapitän", die zerstrittenen Nachbarn, arme Würstchen und Hochadel, die sich auf der "Green Elizabeth" die Ehre gaben – ein Schiff, das dem Namen gerecht wurde, nicht ganz taufrisch, gerade verkauft, und natürlich war die Crew hochmotiviert angesichts der Information, den neuen Eigentümer inkognito mit an Bord zu haben.

Die Schauspieler des Erbacher Gesangvereins "Frohsinn" zogen wirklich alle Register, um der Komödie von Beate Irmisch ihre ganz besondere Note zu geben. Das war nicht schwer, waren doch eine ganze Reihe Erbacher Originale auf der Bühne. Jeder einzelne lebte seine Rolle aus. Da standen 13 Energiebündel, die, gerade losgelassen, aus jeder noch so kleinen Szene etwas sehr Gekonntes machten. Das Stück war leichte Kost, doch wer die Zuschauer mit so vielen Details und Einfällen zum Lachen bringt, der beweist echte Liebe zu den Brettern, die doch für so manchen die Welt bedeuten.

Voller Temperament

Ali Rauch: Regisseur des Stücks und als "Luigi" der gute Geist des Kreuzfahrtschiffes, wirbelte umher und brachte volles südländisches Temperament ein. Dagegen Jasmin Rauch: Die sächselnde Gräfin war eine Augenweide und so schön verliebt in den Kapitän, den Christof Kolb mit großer Spielfreude verkörperte. Doch der hatte Konkurrenz: Gerhard Rath, hier in der Rolle eines ehemaligen Frachter-Kapitäns, konnte sich mindestens ebenso in Positur stellen, mit stolz geschwellter Brust sein Fachwissen zelebrieren. Beide machten ganz klar: "Einmal Kapitän, immer Kapitän!"

"Erster Deckoffizier" Christof Litzinger hatte da seine liebe Mühe, mitzuhalten, doch die von ihm gegebene Sportstunde auf der Bühne zeigte allen, wer hier wirklich Durchhaltevermögen hat. Das Publikum litt mit den sympathischen "Buntjes" (ein goldiges Gespann: Bianca Rauch und Oliver Meurer), ließ sich von Holger Held in der Rolle des treu sorgenden Familienvaters nervös machen, dessen Gattin Hannelore (Anna Maria Sturm) in mancher Szene die Lacher ganz auf ihrer Seite hatte. "Töchterchen" Christina Glasner spielte energisch, und natürlich sollte sie am Schluss "ihren Liebsten" Gregor Held bekommen – schließlich setzte der alles daran, "Schwiegervater in spe" von seinen Qualitäten zu überzeugen.

Zwei sind nicht zu halten

Dann die Krönung: Rosi Liefke und Kerstin Gugger. Dieses kurvenreiche Champagnergeschwader setzte immer wieder noch eins drauf. Die Lachtränen flossen, als beide krebsrot nach dem "Sonnenbad" die Bühne betraten. Doch das macht sie nur härter. Zwei echte Frohnaturen und Überlebenskünstlerinnen. Prima!

Die Zuschauer hatten drei Stunden lang sehr viel zu lachen. Mit dazu beigetragen haben viele, denen Frohsinn-Vorsitzender Werner Held am Schluss ein herzliches Dankeschön zollte, angefangen vom Erbacher Künstler Thomas Müller, der für das wunderschöne Bühnenbild verantwortlich zeichnete, über Claudia Vollbracht (Maske), Alex und Marco Lohse sowie Philipp Hollingshaus (alle Technik) bis hin zu Souffleur Johannes Liefke. Die Erbacher sind ein richtig gutes Team, und es macht viel Freude, so etwas mitzuerleben. Weiter so! (pp)

zur Presse-Übersicht